Licht: Mehr als nur Beleuchtung? Die Zukunft der Branche – mit Sebastian Ludwig von Trilux (DD#4)

Wie wird ein Leuchtenhersteller mit 100 Jahren Geschichte zum Softwareanbieter? Im Dings & Digital Podcast spricht Thomas Ost (ehemals Adelmeyer) von slashwhy mit Sebastian Ludwig von Trilux über vernetzte Lichtlösungen, offene Funkstandards und den organisatorischen Wandel, den diese Transformation mit sich bringt.

vonThomas Ost & Sebastian LudwiginPodcast & Consumer Electronics

Trilux im slashwhy Podcast

Wer heute eine Leuchte kauft, kauft längst nicht mehr nur Licht. Er kauft Software, Sensorik, Konnektivität und im besten Fall ein System, das sich in die gesamte Gebäudeinfrastruktur einfügt. Trilux, einer der führenden Hersteller für technische Leuchten mit über 100 Jahren Geschichte, hat diesen Wandel früher als viele andere erkannt und konsequent mitgemacht. Heute steuert das Unternehmen Tausende von Leuchten über eigene Systeme, entwickelt Sensorik in Eigenregie und arbeitet an offenen Funkstandards für die gesamte Branche.

Auf der Light & Building 2026 in Frankfurt hat Thomas Ost (ehemals Adelmeyer) von slashwhy Sebastian Ludwig getroffen, der das Competence Center Lichtmanagement bei Trilux leitet und die Entwicklung von LiveLink seit den Anfängen vor über zehn Jahren begleitet. Das Gespräch zeigt: Der eigentliche Wandel bei Trilux war kein technischer, sondern ein organisatorischer.

Hinweis: Dieses Gespräch wurde live auf der Light & Building 2026 in Frankfurt aufgezeichnet und ist Teil der Dings & Digital Reihe von slashwhy.

  • Die wichtigste Erkenntnis: 

    Software entscheidet heute darüber, was eine Leuchte kann – und nicht mehr nur die Hardware. Trilux hat das früh erkannt und entwickelt seit über zehn Jahren eigene Steuerungssysteme, Sensorik und Funkstandards. Die größte Herausforderung dabei war nicht die Technik, sondern die Organisation: Wie bringt man Leuchtenbauer und Softwareentwickler produktiv und zielführend zusammen?

Licht als Teil der Gebäudeinfrastruktur

Lange war Beleuchtung ein isoliertes Gewerk. Eine Leuchte leuchtete, fertig. Mit der LED-Technologie begann sich das zu ändern, und mit ihr das Bewusstsein dafür, was Licht in modernen Gebäuden leisten kann. Heute sind Leuchten Datenpunkte, Sensoren, Kommunikationsknoten. Sie messen Belegung, steuern Energieverbrauch und liefern Daten, die weit über die Beleuchtung hinaus nützlich sind.

Laut einer Studie des ZVEI wächst der Markt für smarte Gebäudetechnik in Europa bis 2030 auf über 100 Milliarden Euro. Energieeffizienz, regulatorische Anforderungen und der Wunsch nach integrierten Systemen treiben diese Entwicklung. Für Leuchtenhersteller wie Trilux bedeutet das: Wer nur Leuchten verkauft, verliert. Wer Systeme anbietet, gewinnt.

Sebastian Ludwig bringt es im Dings & Digital Podcast auf den Punkt: Konnektivität und Interoperabilität sind heute keine Nice-to-haves mehr, sondern Differenzierungsmerkmale. Und Trilux hat dafür konkrete Antworten entwickelt: LiveLink als zentrales Steuerungssystem und IntuSens als erstes eigenes Sensorik-Portfolio.

Auf dem Markt gibt es oft eine drahtgebundene Lösung und eine Funklösung. Allerdings ist das Zusammenspiel oft schwierig, oft gibt es sogar getrennte Systeme. Es darf eigentlich keinen Unterschied machen, ob das Draht ist oder ob das funkt. Am Ende muss alles zusammenspielen und zentral steuerbar sein.

Sebastian Ludwig, Leiter Competence Center Lichtmanagement, Trilux

Fragen & Antworten aus der Folge Dings & Digital

  • Wie hat sich die Rolle von Licht in modernen Gebäuden verändert?

    Beleuchtung war lange ein isoliertes Gewerk. Eine Leuchte leuchtete, fertig. Mit der LED-Technologie begann sich das zu ändern, und mit ihr das Bewusstsein dafür, was Licht in modernen Gebäuden leisten kann. Sebastian Ludwig beobachtet diese Entwicklung seit über zehn Jahren aus nächster Nähe. Er beschreibt im Dings & Digital Podcast, wie sich die Wahrnehmung grundlegend verschoben hat: Licht ist digitaler geworden, gesteuerte Lösungen werden von Regularien gefordert und zunehmend eingesetzt. „Es ist weniger 0815. Es ist digitaler geworden durch die LED-Technologie. Das Bewusstsein, dass gute Beleuchtung auch wichtig ist im Arbeitsalltag, das ist gestiegen."

  • Warum hat Trilux sich für Bluetooth Mesh als Funkstandard entschieden?

    Die Entscheidung für Bluetooth Mesh war das Ergebnis eines langen Prozesses. Trilux hat zunächst mit ZigBee gearbeitet, dann intensiv Matter und Thread geprüft. Am Ende fiel die Wahl auf Bluetooth Mesh, weil sich der Standard in der Industrie bereits breit etabliert hat, eine offene Weiterentwicklung möglich ist und mit dem Bluetooth NLC seit 2024 eine beleuchtungsspezifische Erweiterung existiert. Sebastian Ludwig beschreibt die Entscheidungslogik klar: „Wenn es offen ist, wenn wir es gemeinsam weiterentwickeln können, wenn wir dem Standard zuarbeiten können, dann sollten wir es mit Bluetooth machen."

    Ein weiterer Faktor war die Inbetriebnahme. Installateure und Inbetriebnehmer sollten nicht umschulen müssen. Derselbe Prozess, dasselbe Tool, egal ob drahtgebunden oder Funk. „Firmen müssen nicht ihre Mitarbeitenden nochmal zu uns schicken. Es bleibt der gleiche Prozess. Es bleibt das gleiche Tool. Das war uns auch wichtig."

  • Wie blickt Trilux auf die Entscheidung angesichts der wachsenden Bedeutung von Matter?

    Matter verliert Trilux nicht aus dem Auge. Sebastian Ludwig beschreibt die aktuelle Haltung als bewusste Fokussierung: Bluetooth Mesh zuerst, Matter als parallel verfolgten Ast. Die Gateway-Architektur, auf der LiveLink aufgebaut ist, ist dabei bewusst zukunftsoffen gestaltet. „Diese Matter-Thread-Geschichte wird definitiv interessant werden. Wir haben uns schon damit beschäftigt und wir werden da auch weiter dranbleiben." Für den gewerblichen Bereich sieht Sebastian Ludwig Matter noch mit erheblichem Aufholbedarf, denn die Standards kommen stark aus dem Home-Bereich und müssen sich in der Industrie erst noch beweisen.

  • Was sind die größten technischen Herausforderungen bei drahtlosen Lichtlösungen?

    Funk bringt Freiheiten mit sich, aber auch Komplexität, die bei drahtgebundenen Systemen so nicht existiert. Sebastian Ludwig nennt drei zentrale Herausforderungen. Erstens: fehlende Standardisierung. Anders als bei DALI, wo klare Vorgaben existieren, sind Schnittstellen im Funk-Bereich noch nicht vollständig definiert. Zweitens: Testing. Große Anlagen mit vielen Teilnehmern, Störquellen und unterschiedlichen Umgebungen machen das Testen aufwendig. „Wir haben das in Parkhäusern schon x-fach erlebt, wie das ausgehen kann." Drittens: die Leuchte selbst. Hochwertige Gehäuse, die IP-Schutzarten erfüllen, erschweren es, Funksignale zuverlässig nach außen zu bringen. Reichweite und Signalplanung werden damit zu eigenen Disziplinen in der Projektplanung.

  • Wie hat sich die Entwicklungsorganisation bei Trilux durch die Digitalisierung verändert?

    Der Wandel vom Leuchtenbauer zum Softwareanbieter ist vor allem ein organisatorischer. Sebastian Ludwig beschreibt, wie unterschiedlich Softwareentwicklung und Leuchtenentwicklung in ihren Prozessen, Zyklen und Meilensteinen sind und wie viel Arbeit es gekostet hat, beides zusammenzubringen. Entwicklungsgeschwindigkeiten mussten angeglichen, Businesspläne für Softwarefunktionen erstellt, Transparenz zwischen Abteilungen hergestellt werden. „Das aneinander anzupassen, war ein Riesenthema." Was dabei geholfen hat: maximale Offenheit und die Bereitschaft, mit Bildern und Metaphern zu arbeiten statt mit Fachbegriffen. „Man muss sehr viel mit Bildern arbeiten, damit man eine Vorstellung davon bekommt, was der Vorteil auch für den Kunden ist." Und vor allem: „Definitiv keine Mauer hochziehen zwischen Leuchte, Digitalität und der Softwareentwicklung. Es ist viel Kommunikation, viel Miteinander und wir haben gelernt, dass das der Schlüssel ist."

  • Wo steht die Lichtbranche in Sachen Digitalisierung und was bewirkt vernetzte Lichtinfrastruktur?

    Die Lichtbranche ist auf einem guten Weg, sagt Sebastian Ludwig. Die Standards werden weiterentwickelt, die Branche stellt sich digitaleren Anforderungen. Was er als nächsten wichtigen Schritt sieht: Licht darf sich nicht mehr als Inselgewerk verstehen. Die Infrastruktur, die ohnehin im Gebäude vorhanden ist, lässt sich für weit mehr nutzen als nur Beleuchtung. Dank DALI 2 lassen sich Verbrauchs- und Belegungsdaten auslesen, die für andere Gewerke hochrelevant sind. Sebastian Ludwig nennt ein konkretes Beispiel aus der Praxis: „Die Bewegungsdaten teilen wir mit euch. Dann könnt ihr die Heizkühldecke damit anpassen, je nach Belegung in den Räumen." Der entscheidende Punkt dabei: nicht einfach alle Daten teilen, weil man es kann, sondern gezielt die Daten, die wirklich gebraucht werden.

  • Wird Licht Teil von Plattform-Ökosystemen?

    Ja, davon ist Sebastian Ludwig überzeugt. Er beschreibt, wie Gremien wie der ZVEI und verschiedene Alliances heute deutlich enger zusammenarbeiten als früher, weil alle die Schnittstellen sehen, die existieren und die Vorteile, die Integration mit sich bringt. Für Kunden bedeutet das: weniger Komplexität, weniger Einzelplattformen, mehr zentrale Steuerung. „Das ist sehr zeitintensiv, wenn wir das im Hintergrund managen können und da vereinfachen können, damit es nach außen für die Kunden auch einfacher wird." Sebastian Ludwig ist überzeugt, dass diese Entwicklung kommt und dass die Bereitschaft, sich mit anderen Gewerken und Plattformen zu unterhalten, dabei die entscheidende Voraussetzung ist.

  • Bewegt sich Trilux vom Leuchtenhersteller zum Komplettlösungsanbieter?

    "Light-as-a-Service" ist für Trilux keine Zukunftsvision, sondern bereits laufende Realität. Sebastian Ludwig beschreibt, wie das Servicepaket von Trilux heute schon weit über die Leuchte hinausgeht: Projektmanagement, Installation, Inbetriebnahme von Steuersystemen, Rücknahme und Rückbau, E-Commerce-Plattform, digitale Services. „Das sind alles Dinge, die da schon eher ein Komplettpaket bilden, als ich verkaufe dir nur eine Leuchte." IntuSens ist in diesem Kontext das letzte fehlende Puzzlestück: Mit eigener Sensorik kann Trilux nun sagen, dass alles aus einer Hand kommt. „Egal was ihr bei uns anfragt, ihr bekommt das aus einer Hand."

Licht wird zum digitaler Enabler

Das Gespräch mit Sebastian Ludwig im Dings & Digital Podcast macht deutlich: Der Wandel, den Trilux durchgemacht hat, ist ein Vorgeschmack auf das, was die gesamte Lichtbranche in den nächsten Jahren erwartet. Offene Standards, vernetzte Systeme und ein Selbstverständnis als Lösungsanbieter statt als Produktlieferant werden zur Grundvoraussetzung. Was Sebastian Ludwig dabei besonders betont: Die Technologie ist lösbar. Die Organisation ist die eigentliche Herausforderung. Wer Leuchtenbauer und Softwareentwickler wirklich zusammenbringt, wer Fehlerkultur etabliert und Komplexität nach innen trägt statt nach außen, der kann Licht zu dem machen, was es längst ist: ein digitaler Baustein smarter Gebäude.

Den vollständigen Dings & Digital Podcast mit Sebastian Ludwig gibt es jetzt auf Spotify und Apple Podcasts.

Whitepaper

Wann lohnt sich Bluetooth Mesh?

In unseren Projekten erleben wir, wie stark sich die Anforderungen an vernetzte Systeme verändern. Dieses Paper soll Hersteller, Produktverantwortliche und Systemanbieter dabei unterstützen, Bluetooth Mesh als eine dieser Optionen objektiv zu bewerten und zu erkennen, wann sich der Umstieg für dich lohnt.

Über die Autoren

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    Über Thomas Ost

    Thomas verantwortet als Business Manager den Bereich Consumer Electronics. Seit 2016 gestaltet er bei slashwhy die Zusammenarbeit mit unseren Kunden und hat als Führungskraft stets ein offenes Ohr für unsere Kolleg:innen. Sein "why" liegt darin, Arbeitsumfelder für Enthusiast:innen zu schaffen, die Lust darauf haben in agilen und selbständig agierenden Teams innovative Softwarelösungen für unsere Kunden umzusetzen.

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    Über Sebastian Ludwig

    Sebastian Ludwig leitet das Competence Center Lichtmanagement bei TRILUX – einem der führenden Hersteller für technische Leuchten mit über 100 Jahren Geschichte, 4.000 Mitarbeitenden und Präsenz in rund 50 Ländern. Er begleitet die Entwicklung von LiveLink seit den Anfängen vor über 10 Jahren – von den ersten Tests bis zum heutigen System mit mehr als 100.000 Installationen weltweit. Sein Fokus: smarte, vernetzte Lichtlösungen, die Komplexität reduzieren statt erhöhen.