FAQ: Das musst du über KI im Gesundheitswesen wissen

Künstliche Intelligenz verändert das Gesundheitswesen von der Diagnostik über die Pflege bis zur Verwaltung. Sie unterstützt Fachpersonal, steigert Effizienz und ermöglicht neue Formen der Versorgung. Doch was steckt technisch dahinter, welche Grenzen gibt es und wie gelingt der verantwortungsvolle Einsatz im klinischen Alltag? Dieses FAQ gibt Orientierung, zeigt Beispiele aus der Praxis und beantwortet die häufigsten Fragen rund um KI im Gesundheitswesen.

06. Januar 2026, vonKonrad Fenderich, Hülya Mese-Wichmann & Juliane LodermeyerinHealthTech

Warum Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen neu denkt

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst im Gesundheitswesen angekommen, oft sogar dort, wo man sie gar nicht bewusst wahrnimmt. Von automatisierten Befundzusammenfassungen über bildbasierte Diagnostik bis zur intelligenten Terminplanung: KI hilft, Abläufe zu optimieren und Entscheidungen zu fundieren. Gleichzeitig wirft sie neue Fragen auf: Was unterscheidet KI von klassischer Software? Welche regulatorischen Rahmenbedingungen gelten? Wie gelingt der Einstieg in eigene KI-Projekte? Und woran erkennt man, ob eine Anwendung wirklich Mehrwert stiftet? Genau diese Unsicherheiten begegnen uns in Projekten immer wieder.

In diesem Artikel haben wir deshalb typische Fragestellungen gesammelt, die wir regelmäßig von Unternehmen hören und geben praxisnahe und verständliche Antworten. Der Artikel wird laufend erweitert.

Wenn Du eine Frage hast, die hier noch fehlt, freuen wir uns über eine kurze Nachricht. Nutze dafür gern das Kontaktformular unten auf der Seite.

Kapitel 1

Grundlagen rund um KI im Gesundheitswesen

Was versteht man unter Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen und wie unterscheidet sie sich von klassischer Software?

Künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen bezeichnet Software-Systeme, die aus medizinischen Daten lernen, Muster erkennen und Entscheidungen oder Empfehlungen ableiten können. Anders als klassische Software, die auf fest programmierte Regeln reagiert („Wenn A, dann B“), nutzt KI dynamische Lernmodelle, die ihr Verhalten auf Basis neuer Informationen anpassen.

Unserer Einschätzung nach liegt der entscheidende Unterschied darin, dass KI-Systeme kontextsensitiv arbeiten können. Sie interpretieren Daten, statt sie nur zu verarbeiten. In der Praxis bedeutet das: KI kann Ärzt:innen bei Diagnosen unterstützen, Pflegeprozesse automatisieren oder Behandlungsverläufe individuell vorhersagen. Ein anderes Anwendungsfeld zeigt sich in der Pharma-Industrie. Hier helfen KI-Anwendungen schon heute beim Erfinden neuer potenzieller Wirkstoffe oder beim Analysieren von Faltungsfehlern oder -verhalten.

Aus unserer Erfahrung in HealthTech-Projekten zeigt sich: Der größte Mehrwert entsteht dann, wenn KI nicht als Ersatz für menschliche Expertise gedacht wird, sondern als intelligentes Assistenzsystem innerhalb sicherer, nachvollziehbarer Software-Architekturen eingebunden wird.

Hinweis: Viele Einrichtungen experimentieren aktuell noch im KI-Bereich und sammeln erste Erfahrungen. Gerade in diesem frühen Stadium ist es für uns essentiell, dass sich die Nutzer:innen nicht blind auf neue oder noch in Entwicklung befindende KI-Systeme verlassen, sondern sie stets kritisch hinterfragen und ihre eigene Expertise weiterhin einbringen.

Ist KI wirklich etwas völlig Neues – oder war das Prüfen von Regeln nicht schon immer eine Form von maschineller „Intelligenz“?

Künstliche Intelligenz ist keine komplett neue Technologie, aber eine neue Denkweise der Technologie selbst. Klassische Software – sowohl im Gesundheitswesen als auch überall anders – arbeitet regelbasiert: Sie folgt deterministischen Abläufen, die von Menschen programmiert wurden („Wenn A, dann B“). KI-Systeme hingegen lernen eigenständig aus Daten, erkennen Zusammenhänge und können Prognosen ableiten.

Unserer Einschätzung nach markiert dieser Übergang vom regelbasierten Programm zum lernenden System einen fundamentalen Wandel: Software wird im besten Fall adaptiv, kontextsensitiv und in der Lage, Erfahrungswissen abzubilden. Besonders im medizinischen Umfeld bedeutet das, dass digitale Lösungen nicht mehr nur Aufgaben abarbeiten, sondern aktiv zur Entscheidungsunterstützung beitragen – etwa durch Mustererkennung in Diagnosedaten oder intelligente Priorisierung in Pflegeprozessen.

Hinweis: Trotz ihrer enormen Leistungsfähigkeit sind aktuelle KI-Systeme noch nicht wirklich kontextsensitiv. Sie interpretieren Muster innerhalb ihrer Trainingsdaten, erkennen aber oft nicht, wenn sich die Datengrundlage verändert. Dieses Phänomen ist auch bekannt als "Failure to Generalize" und kann dazu führen, dass Modelle mit hoher Sicherheit falsche Entscheidungen treffen. Umso wichtiger ist eine kontinuierliche Validierung und Überwachung im praktischen Einsatz, damit KI-Systeme verlässlich und sicher bleiben.

Welche Arten von KI werden heute im Gesundheitswesen eingesetzt?

Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen umfasst ein breites Spektrum an Technologien, die medizinische Daten analysieren, Muster erkennen und klinische Entscheidungen unterstützen. Der zentrale Teilbereich ist das Maschinelle Lernen (Machine Learning). Also Systeme, die aus Erfahrungswerten lernen, um beispielsweise Anomalien in Laborwerten zu erkennen oder Krankheitsverläufe vorherzusagen.

Darauf aufbauend steht das Deep Learning, eine Methode, die auf künstlichen neuronalen Netzen basiert. Sie ist besonders leistungsfähig, wenn es um die Verarbeitung komplexer, unstrukturierter Daten geht, etwa bei der Analyse von Röntgen-, MRT- oder Ultraschallbildern. Gerade hier war das Gesundheitswesen ein zentraler Innovationstreiber: Architekturen wie U-Net oder segmentierungsbasierte Modelle wurden ursprünglich für die medizinische Bildverarbeitung entwickelt und prägen heute viele KI-Anwendungen weit über den Medizinbereich hinaus.

Weitere Schlüsseltechnologien sind Natural Language Processing (NLP), das hilft, große Mengen an Arztbriefen oder Pflegeberichten automatisch auszuwerten, sowie Computer Vision, das in Medizintechnik oder Rehabilitation genutzt wird, um Bewegungsabläufe zu analysieren oder Geräte automatisch zu steuern.

Aus unserer Sicht ist entscheidend, dass diese Technologien nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Bausteine einer ganzheitlichen KI-Landschaft. In unseren HealthTech-Projekten kombinieren wir sie gezielt, um klinische Qualität, Effizienz und Nachvollziehbarkeit nachhaltig zu verbessern. Sowohl in der Pflege und Telemedizin über Krankenhaussoftware bis hin zur KI-gestützten Medizingeräteentwicklung kann KI sinnvoll unterstützen.

Welche regulatorischen Vorgaben müssen Unternehmen beachten?

KI im Gesundheitswesen bewegt sich in einem der strengsten regulatorischen Umfelder überhaupt. Systeme, die medizinische Entscheidungen unterstützen oder Patientendaten verarbeiten, gelten in der Regel als Hochrisiko-KI und müssen deshalb nach klar definierten Standards entwickelt und betrieben werden. Zu den zentralen Rahmenwerken zählen die EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz (EU AI Act), die Medizinprodukteverordnung (MDR), die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie Normen wie ISO 13485 und IEC 62304 für Qualität und Softwarelebenszyklen. In Deutschland kommen zusätzlich Anforderungen des BSI und der Gematik zum Tragen, etwa bei digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA).

Wichtig ist dabei, zwischen Hersteller:innen und Anwender:innen zu unterscheiden:

  • Hersteller von KI-basierten Medizinprodukten tragen die Hauptverantwortung für Konformität, Risikomanagement und Nachvollziehbarkeit.

  • Kliniken, Praxen oder Pflegeeinrichtungen, die solche Systeme einsetzen, müssen sicherstellen, dass sie korrekt implementiert, überwacht und datenschutzkonform betrieben werden und übernehmen die Verantwortung im täglichen Betrieb.

Aus unserer Projekterfahrung wissen wir: Regulatorische Anforderungen sollten von Beginn an Teil der Produktstrategie sein. Wer früh klärt, welche Normen, Nachweise und Dokumentationspflichten greifen, spart später Zeit und vermeidet teure Anpassungen. Wir unterstützen Hersteller:innen und Betreiber:innen dabei, genau diese Schnittstelle zu gestalten.

Wer trägt die Verantwortung, wenn KI-gestützte Systeme Fehler machen?

Auch wenn KI im Gesundheitswesen komplexe Entscheidungen unterstützt, bleibt die Verantwortung immer beim Menschen. Ärzt:innen, Betreiber oder Hersteller sind verpflichtet sicherzustellen, dass eingesetzte Systeme nachvollziehbar, validiert und überwacht sind. KI darf Empfehlungen geben, aber keine rechtsverbindlichen Entscheidungen treffen. Das unterscheidet sie klar von medizinischem Fachpersonal.

Der EU AI Act ordnet die meisten medizinischen KI-Anwendungen als Hochrisiko-Systeme ein. Das bedeutet: Anbieter müssen Risikoanalysen durchführen, Transparenz schaffen und Nachweise über Sicherheit und Datenqualität erbringen. Für Hersteller medizinischer Geräte gilt zusätzlich die MDR, die Verantwortlichkeiten im Produktlebenszyklus eindeutig festlegt.

Unserer Einschätzung nach ist die wichtigste Leitlinie dabei: KI kann Verantwortung nicht übernehmen, sondern nur teilen helfen. In der Praxis heißt das, dass Kliniken, Pflegeeinrichtungen oder Softwareanbieter klare Governance-Strukturen, Monitoringprozesse und menschliche Kontrollinstanzen etablieren sollten, damit Technologie und Fachwissen gemeinsam für sichere Entscheidungen sorgen.

Wie können Vertrauen, Nachvollziehbarkeit und ethische Standards gewährleistet werden?

Vertrauen in KI entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Damit medizinische Software vertrauenswürdig ist, müssen ihre Entscheidungen erklärbar und überprüfbar sein. Hier setzt das Prinzip der Explainable AI (XAI) an: KI-Systeme sollen nicht nur Ergebnisse liefern, sondern auch aufzeigen, wie sie zu diesen kommen. Sinnvoll können z. B. visualisierte Entscheidungsbäume, Feature-Analysen oder Confidence Scores sein.

Aus unserer Projekterfahrung wissen wir: Ethische und technische Leitplanken müssen von Anfang an mitgedacht werden. Das betrifft Themen wie den sorgfältigen Umgang mit Daten, nachvollziehbare Entscheidungslogiken und dokumentierte Prüf- und Freigabeprozesse. So entstehen Lösungen, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch verantwortungsvoll betrieben werden können.

Wichtig ist außerdem eine klare Ethik- und Governance-Struktur auf Organisationsebene. Das betrifft Kliniken, Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen und Medizintechnikhersteller gleichermaßen: Nur wenn Fachpersonal, Datenschutzbeauftragte und Entwickler:innen gemeinsam Regeln und Kontrollmechanismen definieren, kann KI langfristig Vertrauen bei Anwender:innen ebenso wie bei Patient:innen schaffen.

Welche verbreiteten Missverständnisse gibt es rund um KI im Gesundheitswesen?

Rund um Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen kursieren viele Missverständnisse und sie sind verständlich, weil das Feld sich rasant entwickelt. Eines der häufigsten ist die Annahme, dass KI Ärzt:innen, Pflegekräfte oder Therapeut:innen ersetzen soll. In Wirklichkeit ist sie darauf ausgelegt, sie zu unterstützen: durch bessere Informationsaufbereitung, präzisere Diagnostik oder effizientere Dokumentation.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Begriff selbst: Nicht jede automatisierte Entscheidung oder statistische Analyse ist automatisch „KI“. Viele Systeme in Praxen, Kliniken oder Krankenkassen sind regelbasiert, also deterministisch programmiert. Im Gegensatz zu datengetriebenen KI-Systemen, diese erkennen Muster selbstständig und leiten daraus Entscheidungen ab.

Aus unserer Sicht zeigt sich echter Fortschritt dort, wo KI menschliche Expertise ergänzt, nicht ersetzt. In unseren HealthTech-Projekten sehen wir, dass der größte Nutzen dann entsteht, wenn menschliche Erfahrung und datenbasierte Unterstützung zusammenwirken. Beispielsweise in der Entscheidungsunterstützung, in der Dokumentation oder im Monitoring. So entsteht Technologie, die Fachpersonal entlastet, ohne Verantwortung aus der Hand zu nehmen.

Welche Rolle spielen Interoperabilitäts- und Datenstandards (z. B. FHIR, DICOM) beim Einsatz von KI im Gesundheitswesen?

Interoperabilität ist die Grundvoraussetzung für funktionierende KI im Gesundheitswesen. Nur wenn Daten aus unterschiedlichen Systemen wie Praxisverwaltung, Krankenhaus-IT, Pflege- oder Diagnosesystemen strukturiert und eindeutig beschrieben vorliegen, können sie sicher und sinnvoll weiterverarbeitet werden.

Standards wie FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources), HL7 und DICOM schaffen hierfür die technische Grundlage. Sie definieren, wie Informationen zu Laborwerten, Medikationsplänen oder medizinischen Bildern strukturiert, ausgetauscht und interpretiert werden können. Für KI-Anwendungen bedeutet das: Sie greifen auf Daten zu, die bereits interoperabel vorliegen und dadurch einfacher für Analysen, Modelltraining oder Entscheidungsunterstützung aufbereitet werden können.

Solche Standards können genutzt werden, um Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und Schnittstellenkompatibilität sicherzustellen. Unserer Einschätzung nach ist Interoperabilität einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für den Praxiseinsatz von KI. Ohne standardisierte Datenflüsse bleiben intelligente Systeme oft Insellösungen, die sich kaum skalieren oder mit anderen Anwendungen vernetzen lassen. Gleichzeitig wissen wir, dass Datenfreigabe immer auch eine strategische Frage ist. Während öffentliche Einrichtungen und Forschungseinrichtungen von offenen Standards profitieren, behalten Industrieunternehmen oder Hersteller häufig eine kontrollierte Datenhoheit. Genau hier braucht es einen verantwortungsvollen Mittelweg zwischen Datenteilung, Wettbewerbsschutz und Versorgungsnutzen.

Kapitel 2

Funktion und Mehrwert von KI im Gesundheitssektor

In welchen Bereichen wird KI im Gesundheitswesen heute bereits erfolgreich eingesetzt?

KI ist im Gesundheitswesen längst Realität - sogar zum Teil viel länger als man glaubt. Denn Machine-Learning-Ansätze sind nicht erst in den 2020er Jahren entstanden. Neu hingegen ist die Anwendung von GenAI im Gesundheitswesen, zum Beispiel durch die Einführung von Large Language Models (LLM) als Chatbots in der Patienteninteraktion. 

KI arbeitet oftmals nicht sichtbar im Hintergrund, beschleunigt Prozesse und macht Entscheidungen fundierter. In der Diagnostik unterstützt sie Ärzt:innen beispielsweise bei der Auswertung komplexer Bilddaten: Deep-Learning-Modelle helfen in der Radiologie und Pathologie, Auffälligkeiten in Röntgen-, MRT- oder Gewebeaufnahmen zu erkennen. In der Pflege analysieren KI-gestützte Systeme Vitalparameter, warnen frühzeitig vor Risiken und erleichtern die Dokumentation oder Dienstplanung.

Auch jenseits der direkten Patientenversorgung schafft KI messbaren Mehrwert: In der Verwaltung erleichtert sie Fallcodierung und Abrechnung, in der Pharmaforschung beschleunigt sie die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Krankenkassen und Forschungsinstitute nutzen sie, um große Datensätze zu analysieren, Risikogruppen zu identifizieren und Prävention gezielter zu gestalten.

Aus unserer Projekterfahrung wissen wir: Der größte Nutzen entsteht, wenn KI nicht als Insellösung funktioniert, sondern als intelligentes Assistenzsystem in bestehende Workflows eingebettet wird. Erst dann verbessert sie nicht nur Abläufe, sondern auch Ergebnisse.

Wie kann KI medizinisches Fachpersonal konkret entlasten?

KI entlastet Fachpersonal, indem sie zeitintensive Routineaufgaben automatisiert und Informationen intelligent aufbereitet. In Kliniken und Praxen kann sie etwa Patientengespräche zusammenfassen und in Arztbriefe überführen, Diagnosedaten strukturieren oder Befunde automatisch codieren, sodass Ärzt:innen sich stärker auf die Behandlung konzentrieren können. In der Pflege unterstützt KI beispielsweise bei der Auswertung von Patientendokumentation und Vitalparametern und erkennt so frühzeitig kritische Veränderungen im Gesundheitszustand. Auch kann durch GenAI die Kommunikation mit fremdsprachigen Patient:innen erleichtert werden. 

Auch administrative Teams profitieren: KI-gestützte Systeme übernehmen Kodierung und Abrechnungsprozesse, prüfen Formulare oder stellen relevante Reports aus komplexen Datenquellen zusammen. 

Unserer Einschätzung nach liegt das Potenzial von KI längst nicht mehr nur in der Automatisierung von einzelnen Prozessschritten. Neuere KI-Modelle können durch Kontextwissen einen Schritt weitergehen und verstehen, in welchem Zusammenhang eine Aufgabe steht. Sie erkennen zum Beispiel, dass ein auffälliger Laborwert wichtiger ist als ein Routinebefund, oder dass ein bestimmter Befund zuerst geprüft werden sollte, weil er für die aktuelle Behandlung relevant ist.

Welche Rolle spielt KI bei der Analyse großer Gesundheitsdaten oder in Präventionsstrategien?

KI spielt eine Schlüsselrolle bei der Auswertung großer Gesundheitsdaten, weil sie Muster erkennt, die für Menschen kaum sichtbar wären. Machine-Learning-Modelle analysieren anonymisierte Patientendaten, Laborwerte oder Vitalparameter, um Risikofaktoren frühzeitig zu identifizieren und Krankheitsverläufe vorherzusagen. So können Kliniken, Krankenkassen und Forschungseinrichtungen unter anderem Präventionsprogramme gezielter gestalten, beispielsweise zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Demenz.

Unser Team empfiehlt zudem Predictive Analytics und Natural Language Processing, um unstrukturierte Daten aus Arztbriefen, Pflegeberichten oder handschriftlichen Notizen systematisch nutzbar zu machen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, um Zusammenhänge zwischen Symptomen, Lebensstil und Therapieverlauf zu erkennen.

Wir sind der Meinung, dass der nächste große Schritt im Gesundheitswesen in der aktiven Behandlungssteuerung liegt: KI wird künftig nicht nur analysieren, sondern aktiv leitlinienorientierte Empfehlungen für Anpassung von Therapien oder Lebensgewohnheiten geben.

Entscheidend bleibt dabei: Grundlage muss immer die datenschutzkonforme Verarbeitung fundierter Daten bilden.

Wo liegen die Grenzen aktueller KI-Systeme im Alltag?

Aktuelle KI-Systeme leisten bereits viel, stoßen im Gesundheitswesen aber an klare Grenzen: technisch, organisatorisch und menschlich.

Technisch hängt die Zuverlässigkeit stark von der Datenbasis ab. Unterschiedliche Formate, Lücken und Verzerrungen erschweren es, Daten konsistent aufzubereiten. Selbst moderne Modelle können dadurch Muster überinterpretieren oder „halluzinieren“, wenn ihnen Kontext fehlt. Auch wenn Rechenleistung heute viele Probleme abfedert, bleiben Datenqualität und Modelltransparenz zentrale Grenzen aktueller Systeme.

Organisatorisch bremsen fehlende Integration, fragmentierte IT-Landschaften und rechtliche Rahmenbedingungen den Fortschritt. Datenschutzvorgaben oder uneinheitliche Standards erschweren den Datenaustausch und verhindern oft, dass KI-Lösungen flächendeckend eingesetzt werden. Viele Projekte bleiben dadurch Insellösungen, statt in Versorgungsstrategien eingebettet zu sein.

Menschlich zeigen sich Grenzen in Akzeptanz und Vertrauen, sowohl bei Fachpersonal als auch bei Patient:innen. Für viele Menschen bleibt unklar, wie KI zu ihren Ergebnissen kommt oder wer im Zweifel Verantwortung trägt. Gleichzeitig werden die Ausgaben einer generativen KI oft ungeprüft übernommen. Damit Technologie im Alltag korrekt eingesetzt werden kann, braucht es Aufklärung und Transparenz. Und das nicht nur für Ärzt:innen, sondern auch für die Menschen, deren Daten und Gesundheit betroffen sind.

Welche Potenziale von KI werden heute im Gesundheitswesen noch nicht ausgeschöpft?

Trotz zahlreicher Pilotprojekte steckt der Einsatz von KI im Gesundheitswesen noch in den Kinderschuhen. Die meisten Anwendungen sind punktuell und lösen einzelne Aufgaben wie Diagnoseunterstützung, Dokumentation oder Planung. Das größte ungenutzte Potenzial liegt in der Vernetzung dieser Einzellösungen zu durchgängigen, datengetriebenen Versorgungsprozessen.

Bei slashwhy sehen wir vier Zukunftsfelder:

  • Sektorübergreifende Datenanalyse: wenn Daten aus Klinik, Pflege, Reha und Krankenkassen intelligent verknüpft werden, lassen sich Behandlungsverläufe ganzheitlich steuern.

  • Präventive Versorgungssysteme: KI wird zunehmend helfen, Krankheiten zu verhindern statt nur zu behandeln.

  • Personalisierte Medizin: KI kann Therapien individuell auf den Menschen abstimmen, basierend auf Genetik, Lebensstil oder Verlaufsmustern.

  • Interaktion in der Patientenkommunikation: Der Austausch zwischen Patient:innen und medizinischem Fachpersonal wird interaktiver.

Unserer Einschätzung nach ist das entscheidende Momentum erreicht: Die Technologien sind bereit, die regulatorischen Leitplanken werden klarer, und die Akzeptanz wächst. Jetzt geht es darum, integrierte KI-Ökosysteme mit sicheren Datenflüssen, klarer Verantwortung und Fokus auf den Nutzen für Patient:innen und Fachkräfte zu schaffen.

Wie integriert man eine KI-Lösung in bestehende Klinik- oder Praxis-IT-Systeme?

Bevor die technische Integration überhaupt beginnt, sollte geprüft werden, wo der Einsatz von KI wirklich Mehrwert stiftet. UX-Research hilft, reale Pain Points, Prozesslücken und Nutzerbedürfnisse im Klinikalltag zu identifizieren. So wird früh klar, welche Use Cases sich für KI eignen und wo Automatisierung keinen Nutzen bringt oder sogar kontraproduktiv wäre. Diese Analysephase bildet die Grundlage, um technische Integration sinnvoll, wirksam und akzeptanzfördernd zu gestalten.

Die erfolgreiche Integration von KI in bestehende Klinik- oder Praxis-IT-Systeme beginnt anschließend mit einer strategischen und technischen Planung. Entscheidend ist, wie gut sich die neue Lösung in bestehende Abläufe, Datenflüsse und Systeme einfügt. Dafür braucht es offene Schnittstellen (APIs), standardisierte Datenformate wie FHIR oder HL7 und eine enge Zusammenarbeit zwischen IT, Medizin und Management.

Unsere Teams starten in solchen Projekten häufig mit einem Pilotansatz: Eine KI-Lösung wird zunächst in einem klar abgegrenzten Bereich wie der Bildanalyse oder Dokumentation getestet. So lässt sich prüfen, wie zuverlässig sie sich technisch integrieren und organisatorisch nutzen lässt, bevor die Anwendung skaliert wird. Parallel werden die drei zentralen Erfolgsfaktoren Datenschutz, Datensicherheit und Akzeptanz im Team bewertet.

Wir sind der Meinung, dass erfolgreiche KI-Integration immer interdisziplinär ist. Ärzt:innen, Pflegekräfte und Administrator:innen sollten von Beginn an eingebunden werden, damit Workflows realistisch abgebildet und Systeme später tatsächlich genutzt werden. Nur dann entsteht nachhaltiger Mehrwert.

Wie wird der Erfolg einer KI-Lösung im Gesundheitswesen gemessen?

Entsprechend des jeweiligen Use Cases, siehe auch „Wie integriert man eine KI-Lösung in bestehende Klinik- oder Praxis-IT-Systeme?“, legen wir gemeinsam fest, welche KPIs zur Erfolgsmessung sinnvoll sind. Diese reichen von technischen Kennzahlen bis zu weichen Faktoren wie Nutzerzufriedenheit, Akzeptanz im Klinikalltag oder dem Grad der Prozessvereinfachung. Denn eine KI, die technisch brillant, aber im Alltag unpraktisch ist, bringt keinen echten Mehrwert.

Ergänzend dazu betrachten wir immer folgende Leitfragen: Entlastet die Lösung wirklich die Menschen, die täglich damit arbeiten? Trägt sie also aktiv dazu bei, Abläufe zu vereinfachen, Zeit zu sparen oder die Versorgungsqualität zu verbessern? Nur wenn dies erreicht wird, entsteht ein nachhaltiger Mehrwert für Patient:innen, Fachpersonal und Organisationen.

KI im Gesundheitswesen ist nur wertvoll, wenn sie wirkliche Probleme löst, ob in der Pflege, Diagnostik oder Verwaltung. Unser Ziel ist es, KI so einzusetzen, dass sie Menschen unterstützt, nicht ersetzt. Dafür braucht es Technologie, die nachvollziehbar und alltagstauglich ist.”

Konrad Fenderich, Business Manager HealthTech

Kapitel 3

Herausforderungen von KI im Gesundheitswesen

Welche Herausforderungen bestehen beim Einsatz von KI?

Dort, wo Entscheidungen der KI nicht nachvollziehbar oder auf unvollständigen Daten basieren, entstehen Anwendungsrisiken. Wenn Modelle auf unausgewogenen oder historisch verzerrten Datensätzen trainiert werden, können sie Fehleinschätzungen treffen, beispielsweise indem bestimmte Patientengruppen systematisch über- oder unterbewertet werden. Solche Verzerrungen gefährden nicht nur die Ergebnisqualität, sondern auch das Vertrauen in digitale Medizin.

Eine weitere Herausforderung liegt in der mangelnden Erklärbarkeit moderner Modelle. Deep-Learning-Algorithmen liefern oft hochpräzise Prognosen, ohne dass klar ersichtlich ist, wie sie zu ihren Ergebnissen kommen. In einem Umfeld, in dem jede Entscheidung Leben betrifft, ist das ein ernstes Problem. Fehlende Transparenz erschwert es, Modelle zu validieren, Fehler zu erkennen oder Verantwortlichkeiten zuzuordnen.

Hinzu kommen klassische, aber entscheidende Risikofaktoren: Datenschutzverletzungen, Zweckentfremdung sensibler Gesundheitsdaten oder technologische Abhängigkeiten von proprietären Plattformen. Wenn Kernkomponenten der KI in undurchsichtigen Cloud-Umgebungen betrieben werden, droht Kontrollverlust über Daten, Modelle und Updates.

Aus unserer Erfahrung zeigt sich: Diese Herausforderungen lassen sich durch klare Prozesse beherrschen. Governance, Audits, Modellvalidierung und menschliche Kontrolle müssen von Anfang an Teil des Entwicklungs- und Betriebsmodells sein.

Welche Herausforderungen zeigen sich bei der Datenqualität?

Die Grundlage jeder verlässlichen KI ist nicht ihr Algorithmus, sondern die Qualität ihrer Daten. Gesundheitsdaten sind oft fragmentiert, unvollständig oder ungleich verteilt. Viele klinische Datensätze stammen aus eng begrenzten Patientengruppen oder bestimmten Regionen. Fehlen Diversität und Repräsentativität, entsteht ein Bias. Nicht, weil die KI fehlerhaft ist, sondern weil sie nur die begrenzte Realität widerspiegelt, die ihr gezeigt wurde.

Die Herstellung von Datenqualität ist daher ein kontinuierlicher Prozess. Schon in der Erhebung entscheidet sich, wie nutzbar ein Datensatz später für Analysen ist. Deshalb setzen erfolgreiche Organisationen auf klare Datenführungsstrukturen: definierte Erfassungsstandards, regelmäßige Validierungen, Dokumentation von Herkunft und Verarbeitung.

Ebenso wichtig ist das bewusste Abbilden von Vielfalt. Durch die Kombination verschiedener Quellen, wie Klinikdaten, Forschungsregister oder anonymisierte Versorgungsdaten lässt sich die Generalisierbarkeit von KI-Modellen deutlich erhöhen. So entstehen Systeme, die nicht nur präzise, sondern auch übertragbar sind.

Wie gehen Organisationen mit Model-Drift und kontinuierlicher Wartung von KI-Systemen um?

Daten, Prozesse und Nutzerverhalten verändern sich ständig. Wenn sich Erwartungen ändern, ohne dass das Modell mitlernt, spricht man von Model Drift. Das kann dazu führen, dass Vorhersagen ungenauer werden oder Entscheidungen ihre ursprüngliche Qualität verlieren. Organisationen, die KI langfristig sicher betreiben wollen, brauchen deshalb ein strukturiertes Monitoring- und Wartungskonzept. Dazu gehören regelmäßige Qualitätsprüfungen, Performance-Analysen und falls nötig ein kontrolliertes Nachtraining der Modelle mit aktuellen, validierten Daten. 

Erfolgreiche Teams behandeln KI wie ein lebendes System. Sie kombinieren technisches Monitoring mit fachlicher Validierung. Dabei prüfen Ärzt:innen oder Fachexpert:innen regelmäßig, ob die Ergebnisse weiterhin klinisch plausibel sind. Dieser „Human-in-the-Loop“-Ansatz sorgt dafür, dass Entscheidungen nachvollziehbar und sicher bleiben, auch wenn sich Datengrundlagen oder Rahmenbedingungen ändern. Dann wird Modellpflege langfristig zu einem festen Bestandteil des Qualitätsmanagements. Dazu gehören dokumentierte Update-Zyklen, Freigabeprozesse und Governance-Regeln für jede Änderung am System. Nur so kann KI dauerhaft verlässlich, auditierbar und vertrauenswürdig betrieben werden.

Wie lässt sich sicherstellen, dass KI verantwortungsvoll und transparent eingesetzt wird?

Verantwortung im Umgang mit KI entsteht durch Strukturen, nicht durch Vertrauen allein. Damit Anwendungen im Gesundheitswesen nachvollziehbar, sicher und fair bleiben, braucht es von Anfang an klare Prozesse. 

Unsere Erfahrung zeigt: Verantwortungsvolle KI ist immer das Ergebnis aus Governance, Transparenz und technischer Absicherung. Dazu gehören feste Richtlinien für Datenverarbeitung und Modellvalidierung, regelmäßige Audits sowie dokumentierte Freigabe- und Update-Prozesse. So lässt sich nachweisen, dass Systeme sicher funktionieren und nachvollziehbar bleiben. Einen weiteren Rahmen bilden ethische Leitlinien, die schon in der Entwicklungsphase verankert sein sollten. Sie definieren, welche Daten genutzt werden dürfen, wie Entscheidungen erklärt werden müssen und wo menschliche Kontrolle zwingend bleibt. Kennzeichnungspflichten, etwa für KI-generierte Inhalte oder automatisierte Empfehlungen, schaffen zusätzliche Transparenz gegenüber Fachpersonal und Patient:innen.

In unseren Projekten achten wir deshalb darauf, dass ethische und regulatorische Anforderungen nicht als Bremse, sondern als Qualitätsmerkmal verstanden werden.

Wie kann man die Akzeptanz von KI in Organisationen des Gesundheitswesens steigern?

Der Erfolg von KI im Gesundheitswesen hängt weniger von ihrer Leistungsfähigkeit ab als von der Akzeptanz der Menschen, die sie nutzen. Unsere Erfahrung zeigt: Akzeptanz entsteht nicht durch eine Schulung am Ende, sondern durch frühe Einbindung derjenigen, die später mit den Systemen arbeiten. Ganz elementar ist, dass ihr Feedback frühzeitig und regelmäßig einfließt. So entsteht Vertrauen, weil Nutzer:innen erleben, dass ihre Arbeitsrealität ernst genommen wird und die Technologie sie unterstützt, statt sie zu ersetzen.

Ebenso wichtig ist Transparenz. Wer versteht, wie eine Anwendung funktioniert, welche Daten sie nutzt und wo ihre Grenzen liegen, vertraut ihr eher. Deshalb sollten KI-Einführungen von verständlicher Kommunikation, klaren Rückmeldekanälen und eindeutig geregelten Verantwortlichkeiten begleitet werden. Schulungen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie sollten dabei nicht nur technisches Grundverständnis vermitteln, sondern in der Auseinandersetzung auch eine Kultur des bewussten und kritischen Umgangs mit KI-Systemen fördern.

Kapitel 4

Strategie, Trends und nachhaltige Implementierung

Wie können Organisationen im Gesundheitswesen den Einstieg in KI-Projekte strategisch angehen?

Der Einstieg in KI beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit der Frage: Wo entsteht in meiner Organisation heute Aufwand, den intelligente Systeme sinnvoll verringern könnten?

Entscheidend ist, die geeignetsten Herausforderungen zu identifizieren, bevor man über technische Lösungen spricht. Unsere Erfahrung zeigt: Der beste Startpunkt sind oft kleinere, klar abgegrenzte Projekte, die auf einem konkreten Alltagsproblem aufbauen. So lassen sich schnell gemeinsame Erfolge erzielen und Vertrauen in die Technologie aufbauen, ohne direkt den laufenden Betrieb zu überfordern. 

Welche Voraussetzungen braucht ein erfolgreiches KI-Projekt (Daten, Prozesse, Team, Partner)?

Erfolgreiche KI-Projekte beruhen auf drei Säulen: Menschen, Prozesse und Daten.

Erstens braucht es klare Verantwortlichkeiten und eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. IT und Datenanalyse stellen die technische Basis, medizinisches Fachpersonal bringt die klinische Perspektive ein, und Projektverantwortliche koordinieren Anforderungen, Prioritäten und regulatorische Aspekte. Nur wenn diese Kompetenzen eng verzahnt sind, wird aus Technologie echte Unterstützung im Versorgungsalltag.

Zweitens braucht es erfahrene Partner. KI im Gesundheitswesen erfordert Spezialwissen für Softwarearchitektur und klinische Integration. Erfolgreiche Technologiepartner denken nicht nur technisch, sondern übersetzen komplexe Systeme in anwendbare Lösungen, die in den Klinikalltag passen.

Und drittens: Eine verlässliche Datenbasis ist wichtig, aber sie muss nicht von Anfang an perfekt sein. In vielen Organisationen ist sie das auch noch nicht. Wir helfen dabei, bestehende Datenquellen zu strukturieren, Lücken zu identifizieren und eine belastbare Grundlage Schritt für Schritt aufzubauen. So entsteht aus vorhandenen Informationen ein tragfähiges Fundament für KI-Anwendungen.

Bei slashwhy begleiten wir Organisationen in genau diesen Bereichen, von der technischen Architektur über die Systemintegration bis zur passenden Datengrundlage.

Welche Bedeutung hat Generative KI (z. B. LLMs wie ChatGPT) für die medizinische Dokumentation und Kommunikation?

Generative KI verändert, wie medizinische Informationen entstehen, geteilt und genutzt werden. Sprachmodelle können Arztbriefe automatisiert formulieren, Patienteninformationen personalisieren oder den Austausch zwischen Fachpersonal vereinfachen. Dabei gilt: Automatisierung darf nicht mit Autorenschaft verwechselt werden. Jede generierte Information muss überprüfbar, kontextbezogen und nachvollziehbar bleiben. Transparenz und Validierung sind daher Pflicht, insbesondere, wenn Modelle in klinischen Prozessen eingesetzt werden.

Dabei sehen wir großes Potenzial in einem hybriden Ansatz. Das bedeutet, dass Generative KI das Fachpersonal beim Strukturieren und Formulieren unterstützt, während die finale Verantwortung beim Menschen bleibt.

Welche Trends und Entwicklungen werden die Rolle von KI im Gesundheitswesen in den nächsten Jahren prägen?

KI im Gesundheitswesen steht an einem Wendepunkt. Die nächste Entwicklungsphase wird durch fünf zentrale Trends geprägt, die sich gegenseitig verstärken:

1. Generative und multimodale KI:
Neue Modelle können Text, Bild und strukturierte Daten gleichzeitig verarbeiten. Sie ermöglichen eine natürliche Interaktion zwischen Mensch und System. Beispielsweise bei automatisierten Arztbriefen, klinischen Assistenzen oder der Auswertung komplexer Bilddaten.

2. Personalisierte Medizin:
KI unterstützt zunehmend individuelle Therapieentscheidungen. Durch die Analyse genetischer, klinischer und lebensstilbezogener Daten entsteht eine Versorgung, die sich an jeden Menschen anpassen kann.

3. Echtzeit-Datenanalyse:
Mit der zunehmenden Digitalisierung medizinischer Geräte entstehen kontinuierliche Datenströme. KI kann daraus in Echtzeit klinisch relevante Muster erkennen, wie zur Früherkennung von Komplikationen oder zur dynamischen Steuerung von Therapien.

4. KI-gestützte Entscheidungsunterstützung in der Klinik:
KI wird sich vom Analysewerkzeug zum aktiven Partner im Klinikalltag entwickeln. Systeme, die Diagnosen vorschlagen, Risiken bewerten oder Therapieoptionen priorisieren, werden zu festen Bestandteilen klinischer Entscheidungsprozesse. 

Diese Entwicklungen verändern nicht nur Prozesse, sondern auch Rollenbilder. KI wird weniger ein technisches Werkzeug bleiben, sondern könnte sich Stück für Stück zu einem Teammitglied entwickeln.

Wie beeinflusst die Infrastrukturwahl (Cloud vs On-Premise) die Umsetzung von KI im Gesundheitswesen?

Die Infrastruktur bestimmt, wie flexibel und sicher KI-Lösungen betrieben werden können. Cloud-Umgebungen bieten Skalierbarkeit, hohe Rechenleistung und Zugriff auf moderne KI-Frameworks. Sie eignen sich vor allem für Forschungsprojekte, Simulationen und datenintensive Trainingsphasen.

On-Premise-Lösungen hingegen garantieren maximale Datensouveränität und Kontrolle. Das ist insbesondere in sensiblen klinischen Umgebungen relevant, etwa bei direkter Patientendatenverarbeitung oder KI-Anwendungen im Geräteumfeld.

In der Praxis hat sich zunehmend ein hybrider Ansatz etabliert. Trainings- und Analyseprozesse laufen in der Cloud, während kritische Daten lokal verbleiben. So lassen sich Datenschutz, Performance und Innovationsgeschwindigkeit miteinander verbinden. Diese Architektur ermöglicht es Organisationen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig von modernen Cloud-Technologien zu profitieren.

Wir sehen in Projekten immer wieder, dass Infrastrukturentscheidungen nicht primär technisch getroffen werden dürfen, sondern vor allem datenschutz- und governance-getrieben. Denn am Ende zählt nicht, wo die KI läuft, sondern wie sicher und nachvollziehbar sie betrieben wird.

KI als Schlüssel für ein innovatives Gesundheitswesen

KI wird das Gesundheitswesen nicht ersetzen, sondern erweitern. Sie kann Fachpersonal entlasten, Patientensicherheit erhöhen und Versorgung effizienter gestalten. Vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll, erklärbar und nutzerzentriert eingesetzt. Wer früh auf Transparenz, Interoperabilität und klare Prozesse setzt, schafft die Grundlage für sichere Innovationen und für ein Gesundheitssystem, das vom Potenzial der KI wirklich profitiert.

Bei slashwhy begleiten wir Organisationen genau auf diesem Weg: Sei es von der strategischen Analyse über den Aufbau der Datenbasis bis hin zur Integration klinischer KI-Lösungen in bestehende Systeme.

Mehr Fragen zum Thema KI im Gesundheitswesen?

Du hast noch mehr Fragen rund um Künstliche Intelligenz im Gesundheitssektor? Dann melde dich gerne über das Kontaktformular und wir nehmen deine Themen in unser großes FAQ mit auf.

Über die Autoren

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    Über Konrad Fenderich

    Konrad Fenderich ist Business Manager bei slashwhy. Er begleitet digitale Projekte im Gesundheitswesen mit strategischem Weitblick und einem klaren Blick für die Realität im Klinik- und Versorgungsalltag. Seine Erfahrung aus der Physiotherapie, Klinik sowie aus internationalen Beratungsprojekten fließt in Lösungen ein, die technologische Innovation und Praxisnähe vereinen. Für ihn zählt vor allem, dass Software in der Praxis funktioniert und so gestaltet ist, dass sie die Arbeit von Fachkräften spürbar erleichtert.

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    Über Hülya Mese-Wichmann

    Hülya ist Business & Legal Managerin in unserer HealthTech Crew. Als Syndikusrechtsanwältin begleitet sie Softwareprojekte von der Idee bis zur Umsetzung - rechtssicher, praxistauglich und mit einem klaren Verständnis für die Realität im Gesundheitswesen. Ihr Fokus liegt darauf, Innovationen nicht auszubremsen, sondern mit passenden Rahmenbedingungen möglich zu machen. An der Schnittstelle von Recht und Technologie versteht sie sich als Enablerin für skalierbare, digitale Lösungen, die den Gesundheitssektor nachhaltig voranbringen.

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    Über Juliane Lodermeyer

    Juliane ist Teil des Marketingteams bei slashwhy und gestaltet Inhalte rund um nutzerzentrierte Softwareentwicklung sowie aktuelle Tech-Trends. Mit ihrem Gespür für Storytelling bringt sie frischen Wind in Blogartikel und Social-Media-Kampagnen. Ihre Erfahrung im digitalen Content-Umfeld und ihr akademischer Fokus auf Technologie und Zukunftsstrategien machen sie zur Schnittstelle zwischen Kommunikation und Innovation.