KI & Digitalisierung in der Landwirtschaft: Recap der Beraterhochschultagung
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Landwirtschaft, aber nicht überall im gleichen Tempo. Auf der Beraterhochschultagung 2025 der Landwirtschaftskammer Niedersachsen habe ich mit Vertreter:innen aus Praxis, Beratung und Forschung darüber diskutiert, wo wir heute stehen, welche Herausforderungen bleiben und was es braucht, damit neue Technologien wirklich in der Landwirtschaft ankommen.
Was bringt die Landwirtschaft jetzt wirklich voran?
Anfang Dezember 2025 hatte ich die Gelegenheit, an einer Podiumsdiskussion auf der Beraterhochschultagung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen teilzunehmen. Die Tagung bringt regelmäßig Expert:innen aus Beratung, Wissenschaft, Politik und landwirtschaftlicher Praxis zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen zu diskutieren.
Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Frage, wie neue Technologien sinnvoll in der landwirtschaftlichen Praxis eingesetzt werden können. In diesem Artikel möchte ich meine persönliche Perspektive aus der Diskussion teilen und auf die Punkte eingehen, die mir besonders wichtig sind.
KI als Evolutionsschritt der Digitalisierung
In meinem Eingangsstatement habe ich einen Punkt besonders betont: Künstliche Intelligenz ist kein radikaler Bruch, sondern ein weiterer Evolutionsschritt der Digitalisierung, die in der Landwirtschaft bereits seit vielen Jahren stattfindet.
Ein Blick in die Praxis zeigt jedoch, wie unterschiedlich der Stand auf den Betrieben ist. Auf der einen Seite gibt es Höfe, auf denen der Sauenplaner noch auf Papier geführt wird. Auf der anderen Seite arbeiten Landwirte bereits mit KI-gestützten Prozessen, etwa bei der automatisierten Verarbeitung von Rechnungseingängen. Das spart Zeit, reduziert Fehler und entlastet im Alltag.
Dieses Nebeneinander macht zugleich die großen Chancen, aber auch die erheblichen Herausforderungen deutlich, die sich bei der Implementierung digitaler Technologien ergeben.
Wir brauchen den Mut, neue Technologien zu nutzen und auszuprobieren. Wer bereit ist, sich auf Digitalisierung und Werkzeuge wie KI einzulassen und zu lernen, kann enorm davon profitieren.”
Leander Waldow, Agile Coach
Erfolgsfaktoren für digitale Softwareprojekte in der Landwirtschaft
Als Vertreter der Privatwirtschaft und Dienstleister für individualisierte Softwareentwicklung in der Landwirtschaft habe ich in der Podiumsdiskussion über die Frage gesprochen, was es eigentlich braucht, damit digitale Lösungen und KI-Projekte in der Praxis funktionieren.
Aus meiner Sicht lassen sich drei zentrale Erfolgsfaktoren benennen, die in der Praxis immer wieder über Erfolg oder Misserfolg entscheiden:
1. Datenqualität als Fundament jeder Digitalisierung
Der erste und fundamentalste Erfolgsfaktor ist die Datenqualität. Eine noch so gut programmierte Software ist nur so wertvoll wie die Daten, auf denen sie arbeitet.
Das fängt schon bei den Betriebsdaten an, die für viele Systeme auf den landwirtschaftlichen Betrieben erhoben werden müssen. Sind diese mehrdeutig oder nicht aktuell, liegen womöglich mehrfach vor und stimmen nicht überein, haben diese keinen Wert für die weitere Verarbeitung.
Deshalb ist es essenziell, dass bereits bei der Datenerfassung Standards etabliert werden. Die Betriebe müssen verstehen, dass Datenqualität eine Investition in die zukünftige Entscheidungsfindung ist.
Worauf kommt es bei der Datenqualität an? Die Daten müssen nicht nur korrekt sein, sondern auch:
Vollständig: Alle relevanten Daten werden erfasst, keine wichtigen Informationen fehlen
Eindeutig: Jeder Datensatz ist klar identifizierbar und es gibt keine Mehrdeutigkeiten
Konsistent und interoperabel: Daten werden einheitlich erfasst, gleiche Kategorien und Formate werden überall verwendet
Aktuell: Daten sind up-to-date und spiegeln den aktuellen Stand wider, nicht veraltete Informationen
2. Softwarequalität für nachhaltige Implementierung
Der zweite zentrale Punkt, den ich in der Diskussion angesprochen habe, ist die Bedeutung von Softwarequalität für nachhaltige Implementierung.
Neben dem Betriebsmanagement sind die Landwirte auch mit diversen Dokumentationsaufgaben konfrontiert, die mit der richtigen Software erheblich vereinfacht und automatisiert werden können. Bei schlechter Qualität der Software, erzeugt dies allerdings mehr Frust als Erleichterung.
Die Vergleichbarkeit von Softwarequalität ist allerdings enorm schwierig, weshalb oftmals am falschen Ende gespart wird. Preis- und Umfangsbasierte Entscheidungen führen oft dazu, dass kritische Qualitätsaspekte leiden. Dies ist besonders problematisch bei öffentlich geförderten Projekten, wo sich die Auswahlkriterien des richtigen Dienstleisters häufig zu sehr auf den Preis und Umfang konzentrieren.
Was macht also gute Softwarequalität aus? Sie umfasst nicht nur fehlerfreien Code, sondern auch:
Wartbarkeit: Kann die Software zukünftig weiterentwickelt werden?
Sicherheit: Wie schützen wir sensible Betriebsdaten?
Performance: Lädt die Software auch unter Last zuverlässig?
Benutzerfreundlichkeit: Können die Endnutzer intuitiv mit dem System arbeiten?
3. Mut als oft unterschätzter Erfolgsfaktor
Als agiler Coach habe ich auch immer die inneren Werte und die Haltung im Blick, das sogenannte Mindset, welches bei der digitalen Transformation auch eine entscheidende Rolle spielt.
Gerade bei neuen Technologien wie KI, deren Funktionsweise und Nutzen nicht sofort greifbar sind, ist für mich ein Wert besonders entscheidend: Mut.
Auch die Landwirtschaft kann in vielerlei Hinsicht von den neuen Technologien profitieren und wir sollten uns dem nicht verschließen. Aber es braucht auch Mut die Technologien auszuprobieren, Fehler zu machen und zu Beginn Zeit zu investieren, um sich das Potential zu erschließen. Mut bedeutet hier:
Mut, Neues auszuprobieren: Auch wenn etablierte Prozesse vertraut sind
Mut, Fehler zu machen und daraus zu lernen: Digitalisierung ist ein iterativer Prozess, keine Einmalveranstaltung
Mut, Zeit und Geld zu investieren: Neue Technologien, Infrastrukturen und Prozesse, um zukünftige Chancen nutzen zu können
Mut, sich zuzutrauen, die Technologie zu beherrschen: Digitale Technologien sind die Werkzeuge der Zukunft, die wir genauso beherrschen sollten, wie den Umgang mit Hammer und Spaten
Fazit: Digitalisierung braucht mehr als Technologie
Die Diskussion auf der Beraterhochschultagung hat deutlich gemacht, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft kein isoliertes Technikthema sind.
Es ist vielmehr ein System aus guter Führung, klaren Datenstandards, hochwertiger Softwareentwicklung, Sicherheit und einer inneren Haltung, die bereit ist, sich zu wandeln. Erst alle diese Elemente zusammen ermöglichen es, die Potenziale der Digitalisierung für die Landwirtschaft vollständig zu erschließen.
KI kann dabei ein wertvolles Werkzeug sein, sie ersetzt jedoch weder fachliches Know-how noch praktische Erfahrung. Entscheidend ist, dass Technologien praxisorientiert entwickelt, kritisch geprüft und sinnvoll eingesetzt werden.
Genau hier sehen wir bei slashwhy eine große Chance: Wenn digitale Lösungen konsequent an den tatsächlichen Bedürfnissen der Betriebe ausgerichtet sind, können sie den Alltag spürbar erleichtern und langfristig zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit beitragen.
Anmerkung
Weitere Infos zur Beraterhochschultagung 2025 sowie die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmer:innen in der Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer.
Fotos: Christopher Hanraets (Landwirtschaftskammer Niedersachsen)
