UX Research: Nutzungskontext verstehen mit Job Shadowing

Job Shadowing ist für uns eine der wertvollsten UX-Methoden, um Nutzungskontexte zu verstehen. In diesem Artikel erfährst du, was Job Shadowing im UX Design ausmacht und wie wir die Methode bei slashwhy einsetzen, um Nutzung wirklich zu verstehen.

vonLena Redecker & Juliane LodermeyerinUX & UI Design

Was ist Job Shadowing?

Job Shadowing ist eine UX-Research-Methode, bei der wir Nutzer:innen in ihrem realen Arbeitsumfeld begleiten. Wir schauen zu, hören zu und beobachten, wie Aufgaben ganz natürlich und wie gewohnt erledigt werden. Im Unterschied zu reinen Interviews oder Workshops ermöglicht Job Shadowing eine zusätzliche, wertvolle Ebene des Verstehens, indem wir Arbeit nicht nur besprechen, sondern direkt miterleben.

Genau deshalb findet Job Shadowing immer im natürlichen Nutzungskontext statt. Dort, wo auch mal Ablenkungen passieren, Medienbrüche entstehen und Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden.

Welche Vorteile bringt Job Shadowing im UX Design?

Job Shadowing liefert Erkenntnisse, die man in Gesprächen allein oft nicht bekommt. Denn Nutzer:innen erzählen selten alles, was sie tun. Nicht aus Absicht, sondern weil vieles für sie selbstverständlich ist. Routinen, kleine Umwege oder improvisierte Lösungen werden gar nicht mehr bewusst wahrgenommen.

Gerade diese Details tragen dazu bei, ein umfangreiches Verständnis für die Nutzer:innen aufzubauen. Wir wollen die Nutzer:innen verstehen, um die richtigen Entscheidungen im Design zu treffen und damit eine gute UX zu schaffen. Denn oft fallen die wichtigsten Hinweise in Nebensätzen, beiläufigen Kommentaren oder stillen Handgriffen. Zum Beispiel dann, wenn jemand zwischen zwei Tools wechselt, sich eine Notiz macht oder einen Arbeitsschritt wiederholt, weil das System ihn nicht sinnvoll unterstützt.

Ein weiterer Vorteil: Job Shadowing macht Nutzungskontexte sichtbar. Wir erleben mit, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird. Zeitdruck, Unterbrechungen, parallele Aufgaben oder technische Einschränkungen lassen sich oft nur bedingt beschreiben. Im Job Shadowing werden sie sichtbar und können durch gezielte Rückfragen gemeinsam eingeordnet und verstanden werden.

Hinzu kommt die emotionale Ebene. Frust, Unsicherheit oder auch Zufriedenheit lassen sich im Arbeitsfluss oft deutlicher erkennen. Diese Eindrücke helfen uns, nicht nur funktionale, sondern auch stimmige und entlastende Nutzererlebnisse zu gestalten.

Kurz gesagt: Job Shadowing bringt uns näher an die Realität. Es hilft, Annahmen zu überprüfen, blinde Flecken aufzudecken und Software so zu gestalten, dass sie sich wirklich in den Arbeitsalltag einfügt.

Beim Job Shadowing geht es für uns darum, einfach dabei zu sein. Nicht zu stören, nicht zu bewerten, sondern mitzuerleben, wie Arbeit wirklich passiert. Gerade die kleinen Nebensätze und beiläufigen Momente liefern oft die wertvollsten Erkenntnisse.”

Lena Redecker, UX/UI Designer

Wann macht Job Shadowing Sinn?

Job Shadowing eignet sich besonders dann, wenn Arbeitsabläufe komplex sind oder stark vom Nutzungskontext geprägt werden. Immer dort, wenn der Arbeitsalltag der Nutzer:innen sich nicht vollständig in Prozessen, Tickets oder Anforderungen abbilden lässt, liefert die Methode besonders wertvolle Einblicke.

Das ist zum Beispiel der Fall bei Fachsoftware mit vielen Abhängigkeiten, bei Arbeitsumgebungen mit Medienbrüchen oder wenn Nutzer:innen zwischen digitalen und analogen Tools wechseln. Auch in Branchen wie Industrie, Landwirtschaft oder Healthcare zeigen sich im Alltag oft wertvolle Einblicke.

Auch wenn Teams das Gefühl haben, dass sie ihre Nutzer:innen „eigentlich schon gut kennen“, lohnt sich Job Shadowing. Denn häufig zeigt sich hier, wo Workarounds entstehen, warum bestimmte Funktionen anders genutzt werden als gedacht oder welche Schritte unnötig Zeit kosten.

Job Shadowing macht immer dann Sinn, wenn es nicht reicht zu fragen, sondern wenn man wirklich verstehen will.

Wie läuft Job Shadowing bei slashwhy ab?

Für uns bedeutet erfolgreiches Job Shadowing vor allem eines: möglichst unsichtbar sein. Wir wollen den Arbeitsalltag nicht verändern, sondern ihn so erleben, wie er wirklich ist. Deshalb begleiten wir Nutzer:innen direkt in ihrem natürlichen Arbeitsumfeld. In der Regel ist dabei eine Person aus dem UX-Team anwesend, sonst niemand. Je weniger Personen dabei sind, desto natürlicher bleibt die Situation. 

Damit Nutzer:innen möglichst natürlich arbeiten können, bereiten wir die Situation bewusst vor. Erfahrungsgemäß fühlen sich Menschen zu Beginn eines Job Shadowings fast immer beobachtet. Nach einer gewissen Zeit kehren sie jedoch in ihr gewohntes Arbeitsverhalten zurück. Deshalb achten wir darauf, Dauer und Rahmen passend zu wählen und den Kontext klar einzuordnen. Den Nutzer:innen machen wir deutlich, dass nicht sie bewertet werden, sondern die Software und der Nutzungskontext im Fokus stehen. Erst so entsteht eine Atmosphäre, in der authentisches Arbeiten möglich wird.

Wir setzen uns dazu, hören zu und schauen zu. Keine Präsentationen, keine vorbereiteten Aufgaben, kein künstliches Szenario. Je echter die Situation, desto wertvoller die Erkenntnisse. Im ersten Schritt liegt unser Fokus bewusst auf dem Beobachten. Wir möchten verstehen, wie Arbeit im Alltag tatsächlich abläuft, ohne sie sofort zu unterbrechen oder zu lenken. Fragen stellen wir gezielt und meist im Anschluss, zum Beispiel in einer kurzen Nachbesprechung, um Beobachtungen einzuordnen und zu vertiefen. Unser Ziel ist es nicht, Prozesse zu bewerten oder direkt Lösungen vorzuschlagen. Job Shadowing ist für uns ein Lernmoment. Wir wollen verstehen, wie Arbeit wirklich passiert, welche Umwege genutzt werden und wo Software unterstützt oder behindert. Erst auf dieser Basis entstehen fundierte Designentscheidungen.

Fazit: Gute UX beginnt mit Beobachten

Job Shadowing ist für uns mehr als eine von vielen UX-Methoden. Es ist eine bewusste Entscheidung, Nutzung im echten Kontext mitzuerleben. Indem wir Nutzer:innen in ihrem echten Arbeitsumfeld begleiten, verstehen wir nicht nur Prozesse, sondern auch Zwischentöne. Wir sehen, wo Softwarelösungen unterstützen, wo sie bremsen und welche kleinen Workarounds sich über die Zeit entwickelt haben. Genau diese Erkenntnisse sind oft der Schlüssel für gute, praxistaugliche UX.

Bei slashwhy ist Job Shadowing deshalb häufig ein beliebter Start in unsere UX-Arbeit. Denn nur wer versteht, wie Menschen wirklich arbeiten, kann Software gestalten, die sie im Alltag wirklich unterstützt.

slashwhy (2025): Job shadowing im UX research [Video]. LinkedIn. Verfügbar unter: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7407359137925419008 (abgerufen am: 20.01.2026).

IxDF – Interaction Design Foundation (2020): Shadowing in user research: Do you see what they see? Verfügbar unter: https://www.interaction-design.org/literature/article/shadowing-in-user-research-do-you-see-what-they-see (abgerufen am: 20.01.2026).

Azarova, M. (2022): Why field-study sessions go wrong: 5 common problems. Nielsen Norman Group. Verfügbar unter: https://www.nngroup.com/articles/why-field-study-sessions-go-wrong/ (abgerufen am: 20.01.2026).

Martin, B. & Hanington, B. (2012): Universal methods of design: 100 ways to research complex problems, develop innovative ideas, and design effective solutions. Beverly, MA: Rockport Publishers.

Über die Autor:innen

  • lena-redecker-slashwhy

    Über Lena Redecker

    Lena ist User Experience Designer bei slashwhy und fühlt sich da zu Hause, wo sich intelligente Konzepte mit detailreichen und ästhetischen Designs verbinden lassen. Sie liebt es, Interaktionen zwischen Mensch und Software zu beobachten, zu verstehen und ist stets auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und Inspiration.

  • juliane-lodermeyer-slashwhy

    Über Juliane Lodermeyer

    Juliane ist Teil des Marketingteams bei slashwhy und gestaltet Inhalte rund um nutzerzentrierte Softwareentwicklung sowie aktuelle Tech-Trends. Mit ihrem Gespür für Storytelling bringt sie frischen Wind in Blogartikel und Social-Media-Kampagnen. Ihre Erfahrung im digitalen Content-Umfeld und ihr akademischer Fokus auf Technologie und Zukunftsstrategien machen sie zur Schnittstelle zwischen Kommunikation und Innovation.