Von der Bohne bis zum Becher: So digitalisiert Melitta die Kaffeeindustrie
Im Gespräch zwischen Thomas Adelmeyer von slashwhy und Sascha Keunecke, Leiter Digitalisierung bei Melitta Professional, geht es um die grundlegenden Fragen der digitalen Entwicklung in der Kaffeeindustrie: Wie weit ist die Branche heute wirklich? Wo entsteht im Betriebsalltag konkreter Nutzen? Und wie lassen sich digitale Systeme so einsetzen, dass sie Prozesse unterstützen, ohne Kaffeekultur und Handwerk zu verdrängen?
Wenn man an Digitalisierung denkt, denkt man schnell an Bildschirme und Apps. Aber in der Gastronomie spielt sich Digitalisierung ganz woanders ab – in der Hektik zwischen Bestellung, Service und Maschine. In diesem Interview wollen wir herausfinden: Wie digital ist die Kaffeebranche wirklich?Und wo holt sie sich ihre Inspiration her? Vom Smart Home, vom E-Commerce, von Big Tech Unternehmen wie Apple? Oder von ganz woanders? Wir sprechen über den aktuellen Reifegrad der Branche, über den Blick nach links und rechts und darüber, wie man herausfindet, was Kund:innen tatsächlich brauchen.
Sascha Keunecke leitet bei Melitta Professional den Bereich Digitalisierung und arbeitet mit seinem Team an Lösungen, die Menschen im Gastro-Alltag entlasten sollen. Das macht ihn zum idealen Interview-Partner für dieses Thema.
Sascha beschreibt, wie konkrete Kundenanforderungen der Auslöser für den Aufbau des Digitalbereichs bei Melitta waren die Möglichkeit, Rezepte remote auf Maschinen aufzuspielen, um große internationale Flotten effizient zu betreiben. Daraus entstanden IoT-Plattformen, Remote-Services und neue Denkweisen im Umgang mit Software auf Maschinen, weg von statischen Releases, hin zu kontinuierlicher Weiterentwicklung über den gesamten Lebenszyklus.
Hinweis: Dieses ist #1 von insgesamt 3 Gesprächen zwischen Thomas Adelmeyer und Sascha Keunecke.
Eine der klaren Anforderungen vom Kunden war von Anfang an die Fähigkeit, remote an der Maschine Rezepte aufzuspielen. Wir reden hier von mehreren tausend Stores, und das Ganze klassisch mit einem Besuch zu machen – USB-Stick rein, Maschine aktualisieren – war absolut kein gangbarer Weg. Da war ganz klar: Das muss remote machbar sein. Allein schon wegen des Zeitfaktors und des Kostenfaktors, weil jeder Besuch Geld kostet. Entweder uns oder den Kunden. Am Ende geht es darum, dass die Maschine möglichst permanent zur Verfügung steht. Und dafür braucht es digitale Anbindung und die Möglichkeit, aus der Ferne auf die Maschine zuzugreifen und zu unterstützen.”
Sascha Keunecke, Leiter Digitalisierung bei Melitta Professional
Was Digitalisierung in der Kaffeebranche leisten muss
Das Gespräch zeigt, dass die Kaffeebranche in den vergangenen Jahren einen spürbaren digitalen Reifeprozess durchlaufen hat – pragmatisch und getrieben durch konkrete betriebliche Anforderungen. Während vor wenigen Jahren erste Vernetzungsschritte und einfache IoT-Plattformen im Vordergrund standen, ist eine digitale Anbindung heute in Projekten ab einer gewissen Größe Voraussetzung. Remote-Fähigkeiten, Servicezugriffe und digitale Prozessunterstützung sind notwendig, um Maschinenflotten zu betreiben, Ausfälle zu vermeiden und den Betrieb skalierbar zu halten.
Gleichzeitig macht Sascha Keunecke deutlich, dass Digitalisierung in der Kaffeebranche nicht überall gleich stark greift. In stark handwerklich geprägten Bereichen, etwa im klassischen Siebträgergeschäft, spielt sie bislang eine untergeordnete Rolle. Relevanz gewinnt sie vor allem dort, wo Mengen, Vergleichbarkeit und wirtschaftliche Steuerung entscheidend sind – etwa im professionellen Umfeld größerer Betriebe und Ketten.
Unabhängig vom Segment bleibt der Maßstab jedoch derselbe: Digitale Lösungen müssen im Alltag funktionieren und den Betrieb vereinfachen. Wenn sie ihren Zweck erfüllen, treten sie in den Hintergrund. Entscheidend ist nicht, wie digital eine Kaffeemaschine wirkt, sondern ob sie zuverlässig läuft und konstant guten Kaffee liefert. Genau daran misst sich für Sascha Keunecke der Reifegrad der Digitalisierung in der Kaffeebranche.


